Starke Frau und Vorbild

Kennst Du den? Drei Blondinen treffen im Wald eine gute Fee. „Weil ihr nie jemandem geschadet habt, gewähre ich jeder von euch einen Wunsch“, spricht die Fee. „Oh wie schön“, freut sich daraufhin die erste Blondine. „Ich möchte noch blonder sein.“ Die Fee schwingt ihren Zauberstab und – Ping

– schon strahlt die Blondine im hellsten Blond.

„Ich möchte die schönsten Beine der Welt haben“, wünscht sich die Zweite. Ping – hat sie atemberaubende, ebenholzmäßige Beine.

„Ich möchte noch dümmer sein“, ruft die Dritte. Ping – ist sie ein Mann.“

Hahaha, selten so gelacht.

Ich finde, ein Blondinenwitz ist ein super Einstieg um über weibliche Vorbilder zu schreiben. In der LEMONDAYS Blogparade dreht sich nämlich alles darum: um Frauen, die uns inspirieren und ermutigen. Falls Du LEMONDAYS noch nicht kennst, das ist ein klasse Online-Magazin für Frauen in den Wechseljahren.

Zurück zu den weiblichen Vorbildern und den Blondinenwitzen. Wir wissen es längst: Dass Blondinen dumm sind, ist ein Klischee. Ich hab‘ keine Ahnung, wer auf diese Idee kam und warum eigentlich. Jedenfalls zu der Zeit, als mein weibliches Role-Model jung war, wurde mit dem Klischee der unterbelichteten Blondine auch gerne mal Werbung gemacht. Und so kam es, dass Anfang der 1970er Jahre eine Schreibmaschinenfirma in den USA ihr neuestes Produkt anpries mit dem Slogan Die Schreibmaschine ist so klug, dass die Frau es nicht sein muss„. Bedient wurde die kluge Schreibmaschine von einer bildhübschen Frau mit blonden Locken. Und genau dieser Frau widme ich diesen Text über Starke Frauen – wer uns inspiriert und ermutigt“.

Vom Werbe-Model zur Feministin und meiner starken Frau

Was aus einem dummen Werbespruch alles werden kann. Das Werbe-Model war zwar blond, aber auch klug und so empört über diese Aussage, dass sie sich der feministischen „National Organization of Women“ (NOW) anschloss. Dann leitete dieselbe Blondine einige Jahre ein Forschungsprojekt zu weiblicher Sexualität. Die Ergebnisse ihrer Forschung gab sie 1976 im „Hite-Report“ heraus.

Ähhh, wie jetzt, Hite-Report? Ist das nicht dieses legendäre Buch aus den 70ern und 80ern? Ein Bestseller mit Millionen-Auflage, der trotz seiner Popularität von konservativen Medien und einem Großteil der männlichen Wissenschaftler-Kollegen zerrissen wurde? Das Buch, das der Playboy als „Hate-Report“ betitelte? Ja genau. Und die Blondine, die es verfasst hat, war Shere Hite.

Und noch einen Blondinenwitz habe ich für Dich:

„Warum haben manche Blondinen blaue Flecken rund um den Bauchnabel? Weil es auch blonde Männer gibt.“

Von blonden Männern wusste auch bereits Shere Hite:

„Allzu viele Männer scheinen auf naive und egoistische Weise immer noch zu glauben, dass das, was sie gerne fühlen und mögen, automatisch auch das sein muss, was Frauen mögen.“

Shere Hite (1943-2020), amerikanische Sexualforscherin

Shere Hite hat nach der Veröffentlichung ihres ersten Buches weiter geforscht und noch mehrere Bücher herausgebracht, z.B. „Weibliche Sexualität: von Frauen, für Frauen“ oder „Das sexuelle Erleben des Mannes“. Ihre Publikationen – vor allem zur weiblichen Sexualität – haben ihr in ihrer Heimat Beschimpfungen, körperliche Angriffe und sogar Morddrohungen eingebracht. Auch wegen dieser Anfeindungen zog sie 1989 nach Europa und lebte einige Jahre in Köln.

Es braucht Mut als Frau öffentlich über Sex zu reden

Als ich anfing mit dem Thema weibliche Sexualität war ich noch angestellt. Ich habe meine Gesundheitspraxis nebenberuflich gegründet und musste meinen Arbeitgeber um Erlaubnis fragen. Er hätte mir eine Nebentätigkeit verbieten können und ich hatte Angst, dass es „auffliegt“, worum es bei meiner Nebentätigkeit geht. Ich wollte nicht als „Freak“ gelten, weil ich „irgendwas mit Sex“ mache. Offen angefeindet wurde ich nicht, aber getuschelt wurde im Kollegenkreis und als ich einige Jahre später meine Anstellung aufgab, war mein Chef eher erleichtert.

Vor Shere Hite kann ich daher nur den Hut ziehen, dass sie über Jahre unermüdlich die Sexualität von Frauen erforscht hat und sie dazu einlud von ihrem sexuellen Erleben zu berichten. Wenn ich ehrlich bin, ich weiß nicht, ob ich je so viel Mut aufbringen würde.

Ihre feministische Arbeit hat auch politisch viel bewegt, zum Glück hat sich vieles seit Erscheinen des 1. Hite-Report für uns verbessert. Vor 30 Jahren zählte ehelicher Beischlaf z.B. noch zu den gesetzlich verankerten Pflichten.

Und wie steht es 40 Jahre später um unsere Sexualität?

Wie schwer es fallen kann über Sexualität zu sprechen, erlebe ich täglich in meiner Coaching-Praxis. Tabus, Scham, Unbehagen mit dem eigenen Körper begleiten die meisten meiner Klientinnen. Und auf den digitalen Autobahnen kursieren Unwissen, Halbwissen oder schlicht „Fake-News“ darüber wie frau Lust erlebt oder wie sie zum Orgasmus kommt.

Shere Hite war eine starke Frau und Pionierin. Ihre Bücher ermutigten viele Frauen ihre Sexualität zu erforschen und für ihre Lust einzustehen. Auch die Berichte der Frauen, die in den Büchern zu Wort kommen, sind heute so aktuell wie vor 40 Jahren. Denn welche Frau hätte sich nicht schon mal die Frage gestellt, ob bei ihr „untenrum“ alles normal sei oder ob was nicht mit ihr stimme, weil sie ihre Lust und Bedürfnisse individueller erlebt, als „moderne“ Medien es ihr anbieten.

„Wir besitzen das Recht auf unsere Körper“

Shere Hite

Auch diese Forderung hat nichts an Aktualität verloren – Mee Too lässt grüßen.

Ich finde, in Sachen „Weiblichkeit und Sexualität“ haben wir Shere Hite eine Menge zu verdanken. Ich bewundere sie für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen. Auch heute brauchen wir mutige Frauen, die für sich selbst einstehen und sich stark machen für die Rechte und Unversehrtheit aller Mädchen und Frauen weltweit.

I thank you, Shere!

Mit feministischen Grüßen,

Deine,

Ilona Tamas
Coaching für Weiblichkeit und Sexualität

Bild: Pixabay

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